Der Countertenor

Aus heutiger Perspektive erscheint mir mein Schritt, weg von den Instrumenten hin zur Stimme, als sehr logisch. Die Stimme ist für mich ein Spiegel des täglichen Auseinandersetzens mit mir selbst und mit meinem Körper. Singen ist ein wunderbares Instrument, um zu berühren, dort anzusetzen, wo das gesprochene Wort an seine Grenzen stößt.

Dass ich den Countertenor zum Kernpunkt meines Schaffens gemacht habe ist dem Zufall verdankt, aber auch von Anfang an der selbstverständlichen Identifikation mit dieser hohen, sehr männlichen Stimmlage. Ich spüre die Magie dieser scheinbar künstlichen, exponierten und gleichzeitig so natürlichen Stimmlage.

Die Pflicht, mein Spaß, liegt in den echten Alt-Partien des kompletten Repertoires aus Renaissance, Barock, Klassik und zeitgenössischer Musik. Die Kür, meine Erfüllung, liegt in interdisziplinären und szenischen Projekten. Hier kann ich die Stimme in Gesang und Sprache, sowohl hoch als auch tief und in Verbindung mit Spiel und Bewegung einsetzen.